Vernetztes Denken und interdisziplinärer Austausch auf der A2A 2015

Rund 100 Gäste tauschten sich auf der diesjährigen GIGATRONIK-Fachtagung „A2A – Apps to Automotive“ über neueste Entwicklungen in der vernetzten Welt aus. Bereits zum 6. Mal fand die interdisziplinäre Tagung statt, erstmalig mit einem Themenspektrum, das deutlich über den Automotive-Bereich hinaus reicht, was von den Teilnehmern äußerst positiv aufgenommen wurde.


Nicht nur Automotive-Lösungen waren in diesem Jahr Thema bei der A2A-Fachtagung am 11. Juni im Neckar Forum Esslingen. Immer stärker wächst die Bedeutung smarter Produkte aus allen Lebensbereichen, und zunehmend entstehen daraus ganze Systeme vernetzter smarter Produkte. Das Auto ist zu einem Teil dieser vernetzten Welt geworden, die sich um den Menschen herum immer weiter verbindet. Der Themenbereich „Connected World“ gab so auch den Rahmen für die diesjährige, von GIGATRONIK veranstaltete Fachtagung.

„Der Trend hin zu smarten Produkten betrifft jeden“, hob Dr.-Ing. Edwin Tscheschlok, Vorsitzender der Geschäftsführung der GIGATRONIK-Gruppe, in seiner Eröffnungsansprache hervor, „deshalb müssen Produkthersteller, die Innovationsführer bleiben wollen, ihre Geschäftsstrategie auf smarte Produkte ausrichten“. Als smart gilt ein Produkt dann, wenn die IT ein Teil des Produktes ist und das Produkt zu einem Teil von Produktsystemen wird. Der heutige und zukünftige Einfluss der Informationstechnologie auf Produkte sei damit so groß wie nie, erklärte Tscheschlok. Denn nicht mehr nur Wertschöpfungsketten, Prozesse und Tätigkeiten verändern sich durch den Vormarsch der IT, sondern die Produkte selbst. Wer als Unternehmen einen Beitrag zur Optimierung der vernetzten Systeme leistet, gehöre zu den Gewinnern. Die technischen und strategische Faktoren, die dabei eine Rolle spielen, wurden von den Referenten im weiteren Verlauf der Tagung aufgegriffen.

Erfolgreiche Produkte durch Kreativität, Emotionalität und User Experience

Kreativität und Innovation sind entscheidende Schlüssel, damit erfolgreiche neue Geschäftsmodelle entstehen können. Frank M. Rinderknecht, CEO der Rinspeed AG, stellte das in seiner Opening Keynote überzeugend dar. Das von Rinspeed entwickelte Konzeptfahrzeug „Budii“ ist für den Schweizer dabei nur der momentane Höhepunkt seiner konsequent quergedachten Innovationen. Anders zu denken, lautete sein Appell, denn das schafft Einzigartigkeit und kann Begehrlichkeit beim Menschen wecken. 95 % des Konsums sei emotional getrieben, erklärte Rinderknecht, der Schlüssel zum Erfolg sei es also, den Menschen zu verstehen.

Dem menschlichen Benutzer die hoch entwickelte Technik und ihren Nutzen zugänglich zu machen, ist zu einer zentralen Aufgabe und zu einer eigenen Disziplin geworden. HMI-Design und User Experience waren daher ein Kernthema der diesjährigen A2A, das von Dr.-Ing. Peter Rößger, CEO von beyondHMI, sowie von Daniel Prokop, Front-End-Developer und UX-Designer bei GIGATRONIK, in ihren Vorträgen diskutiert wurde. Jasmin Kuhn und Dennis Nobel von Itemis betrachteten das Thema Usability in ihrem Fachbeitrag vor dem Hintergrund der heterogenen Landschaft der Smart-Home-Services und schlugen als Lösung eine Plattform für eine integrierte Bedienung mehrerer Services vor.

Eine positive User Experience steht in sehr engem Zusammenhang mit dem Vertrauen in ein Produkt und der Sicherheit für den Benutzer, wie Daniel Prokop in seinem Vortrag erläuterte. Gerade im Bereich Sicherheit kommt eine benutzerfreundliche Bedienung oft zu kurz. Zu umständliche Sicherheitsmechanismen verleiten den Benutzer dazu, sie zu umgehen. Wie muss man stattdessen die Wahrnehmung von Sicherheit designen, um den Bedürfnissen des Benutzers gerecht zu werden? Indem man Zeit, Aufwand und erforderliche Fähigkeiten reduziert, um Produkte und Services nutzbar zu machen, erklärte Prokop. Dadurch steigt auch das Vertrauen in hochkomplexe Systeme, wie beispielsweise Fahrerassistenzsysteme oder sogar autonome Fahrzeuge.

Autonomes Fahren schafft neue Anwendungssituationen und Herausforderungen

Für den ersten autonom fahrenden Lkw, den Mercedes-Benz Future Truck 2025, und den daran angelehnten Freightliner Inspiration Truck kommt ein besonders durchdachtes HMI-Konzept zum Einsatz, das Friedrich Niehaus von Daimler vorstellte und an dessen Entwicklung auch GIGATRONIK beteiligt war. Ein Vollgrafik-Fahrzeugdisplay und damit vernetzter HMI-Tablet-PC passen ihren Bedienungsmodus an je nachdem, ob der Fahrer den Lkw steuert oder der Truck autonom fährt. In welchem Modus sich der Truck befindet, erkennt der Fahrer des Inspiration Truck jederzeit am unterschiedlichen Farbschema der Benutzungsoberfläche. Sollte er während der autonomen Fahrt seinen Sitzplatz verlassen, fordert das System den Fahrer durch akustische und optische Signale auf, zum Fahrersitz zurückzukehren, um jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen zu können. Durch Vertrauen in das System und durch die Vielzahl neuer Nutzungsmöglichkeiten, vom Logistikmanagement bis zur Pflege sozialer Kontakte, soll der Fahrer dazu ermuntert werden, den autonomen Fahrmodus gerne in Anspruch zu nehmen.

Auch Audi präsentierte sein Konzept des pilotierten Fahrens. Mit dem von Peter Bergmiller vorgestellten RS 7 piloted driving concept, der im Foyer hautnah besichtigt werden konnte, zeigt Audi das fahrerlose Fahren im Grenzbereich bei bis zu 250 km/h auf der Rennstrecke. Im realen Straßenverkehr erwartet man als nächsten Schritt das teilautonome Fahren, bei dem das Auto in bestimmten Situationen beispielsweise im Stau oder für den Parkvorgang die Steuerung übernimmt. An der fortschreitenden Automatisierung wird weiter intensiv gearbeitet, denn wie Bergmiller darstellte, verspricht sie eine erhöhte Sicherheit im Straßenverkehr, umweltfreundliches Fahren, mehr Komfort für den Kunden sowie eine effiziente Nutzung der Infrastruktur.

Neue Apps im Fahrzeugumfeld

An der Hochschule der Medien in Stuttgart blickt man auch aus Sicht der Unterhaltung auf das vernetzte oder autonome Fahrzeug. In Kooperation mit dem RMIT University’s Games and Experimental Entertainment Laboratory (GEElab) in Melbourne und Karlsruhe arbeiten Prof. Ansgar Gerlicher (HdM) und seine Kollegen unter anderem an einem Virtual Traffic Companion. Die App erkennt Stau und rote Ampeln über Smartphone-Sensoren und aktiviert dann situationsabhängig bestimmte Funktionen wie beispielsweise Gelegenheitsspiele.

Voraussetzung für die Entwicklung fahrzeugbezogener Apps ist die Verfügbarkeit entsprechender Fahrzeugdaten. Hier unterstützt Daimler die Forschung an Hochschulen im Rahmen einer „Telematics App-Challenge“, bei der die Fahrzeugdaten einiger Dienstfahrzeuge mit Hilfe einer Telematikeinheit bereitgestellt und den Hochschulen zugänglich gemacht werden. Die besten daraus entstandenen Apps werden von Daimler prämiert.

BMW hat in seiner Unternehmensstrategie bereits verankert, Anbieter individueller Premium-Mobilität zu werden. Joachim Hauser von BMW zeigte das Geschäftsmodell anhand des Dienstes „ParkNow“ zum Auffinden und Buchen von Parkplätzen vor, mit dem sich BMW den Fahrern aller Marken als Nutzer öffnet.

Dass Connected-Lösungen nicht nur im Automotive-Umfeld gefragt sind, zeigte Wolfgang Baierl von Bosch, der den Indego Rasenmähroboter vorstellte. Während Kunden bei einer Umfrage 2011 klar die Mähfunktion im Vordergrund sahen, wünschten sie sich 2013 darüber hinaus eine Überwachung und Benutzung aus der Ferne. Die daraufhin entwickelte Connectivity-Lösung des Indego nutzt ein integriertes GSM-Modul als Kommunikationseinheit. Für die Übernahme der Kosten schloss Bosch Verträge mit den Netzanbietern. Weitere Connected-Produkte sind bereits geplant, die dieselbe Infrastruktur nutzen.

Abseits der Vorträge boten die Vorstellung von Exponaten im Foyer sowie die kulinarische Abendveranstaltung auf der Galerie ausreichend Möglichkeiten zur Vernetzung unter den Teilnehmern. Felix Traier, Gesamtkoordinator der Fachtagung und Teamleiter bei GIGATRONIK, führte durch die Veranstaltung und zieht ein positives Fazit: „Ich freue mich über das positive Feedback der Besucher der A2A 2015. Die Öffnung der Veranstaltung für das Themenfeld ‚Connected World‘ kam sehr gut an. Ein Rasenmäher und ein Auto sind sich als Teile der vernetzten Welt ähnlicher, als man im ersten Moment denken mag. Dieser interdisziplinäre Austausch macht für mich die A2A aus.“

So wird man auch im nächsten Jahr bei dem Konzept bleiben, wenn am 9. Juni 2016 die Fachtagung zum 7. Mal veranstaltet wird.


Unsere Teilnehmer über die A2A 2015:

„Tolle Vorträge, sehr gut organisiert, ich komme wieder!“
Dr.-Ing. Peter Rößger, CEO bei beyondHMI/////

„Authentischer Event mit guter Mischung aus Industrie und Forschung“
Thomas Fleischmann, Head of Technology & Innovation - Connected Car bei Elektrobit Automotive GmbH


Eine Fotogalerie zur A2A 2015 finden Sie hier auf unserer Facebook-Seite. 

Kristin Boegner
Unternehmenskommunikation

kristin.boegner@no-spam-pleasegigatronik.com