A2A Fachtagung 2014 – automobile Vernetzung im branchenübergreifenden Dialog

Am 3. Juni fand zum 5. Mal die GIGATRONIK-Fachtagung „Apps to Automotive“ statt. Das bereits etablierte Konzept eines branchenübergreifenden Austauschs zur Vernetzung und Integration von Apps in Fahrzeugen wurde von den 115 Teilnehmern sehr gut angenommen.


Nach fünf Jahren "Apps to Automotive" ist die Integration mobiler Endgeräte und Apps in Fahrzeuge längst keine Zukunftsmusik mehr. Das jedoch hat die Ziele und Herausforderungen nicht geringer werden lassen, über die am 3. Juni im Neckar Forum in Esslingen branchenübergreifend diskutiert wurde. Im Rahmen des Open Forum, einer Initiative der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, bot GIGATRONIK für Experten unterschiedlichster Branchen eine Plattform zum Austausch über den Mehrwert durch Apps im Fahrzeug - von der Integration mobiler Endgeräte bis zu Apps auf neuen Infotainmentplattformen.

Die ausgewogene Mischung der Vorträge aus Anwendungsszenarien, HMI-Lösungen, aktueller Marktentwicklung und User Experience entsprach dem heterogenen Geschäftsfeld, das sich aus der Verknüpfung von Smartphones und Fahrzeugen entwickelt hat. So konnte das Thema aus Sicht der Softwareentwickler, OEMs, Dienstleister und Endkunden ganzheitlich diskutiert werden.

Dass der Dialog zwischen diesen unterschiedlichen Parteien unbedingt erforderlich ist, machten gleich mehrere Vorträge deutlich. Wolfram Herzog, Geschäftsführer der SIC! Software GmbH, blickte aus Sicht der Softwareentwickler auf die Marktentwicklung und führte den Boom bei Google und Apple vor Augen, der bei den Automobilherstellern den Druck erhöht, eine nahtlose Integration der Apps ihrer Kunden zu schaffen. Noch immer telefonieren 18 % der Smartphone-Besitzer ohne Freisprechanlage und 13 % nutzen ihre Smartphone-Funktionen während der Fahrt - ein Zeichen für den Bedarf an weiterentwickelten HMI-Lösungen. Als sogenannte Second-Screen-Lösung für die Benutzung von Apps im Fahrzeug sei aus Entwicklersicht aktuell nur Apple's Car Play attraktiv. Für eine nahtlose Integration über den Bildkanal hinaus müssten herstellerübergreifende Schnittstellen und Protokolle geschaffen werden.

Eine native Infotainment-Lösung für Apps im Fahrzeug stellten Severin Friede und Robert Pyttel von GIGATRONIK vor. Als Basis hierfür dient Googles mobiles Betriebssystem Android, das durch Open Source, Over-The-Air-Updatemöglichkeiten und ein bestehendes Ökosystem gute Voraussetzungen mitbringt. Für den Automotive-Einsatz ergänzt werden müssen Sicherheitserweiterungen, wie z. B. Berechtigungs- und Zugriffskontrollen, sowie eine CAN-Anbindung. In einer anschließenden Live-Demo via Tablet und Webcam führten die Entwickler ihr erweitertes Android-System vor, das eine sichere Verwaltung und Benutzung von Apps im Fahrzeug ermöglicht.

Die Anwendungsszenarien für Apps im Fahrzeug sind inzwischen zahlreich. Studenten der Hochschule der Medien in Stuttgart zeigten eine App zur automatisierten Fahrtkostenberechnung, die sie in Kooperation mit der Daimler AG entwickelten. Altay Cebe von Audi Electronics Venture stellte das pilotierte Parken per App vor, das Audi im größeren Rahmen bereits auf der CES 2014 präsentierte.

Ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Apps und Connect-Funktionen im Fahrzeug ist der Endkunde und somit auch die User Experience, wie Karsten Winkler von P3 automotive in seinem Vortrag deutlich machte. P3 automotive testete die User Experience von Connected-Car-Angeboten verschiedener Hersteller an allen Berührungspunkten, vom Informationsangebot auf der Webseite des OEM über die Präsentation der Connected-Funktionen beim Händler bis zur Beratung im Callcenter zur Integration seines eigenen Smartphones. Dabei konnte keiner der OEMs mit einer durchgängig guten User Experience punkten. Um dies zu erreichen, müsse die gesamte Entwicklungs- und Nutzungsphase von Diensten und Apps betrachtet werden. Bereits in der Phase der Spezifikation, der Umsetzung und der Integration sollte die User Experience in Tests mit berücksichtigt werden.

Während die User Experience bei der Anbindung von Fahrzeug und Smartphone noch zu optimieren ist, entwickelt sich bereits der Trend, die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine auf größere Netzwerke zu erweitern. Axel Torschmied von Visteon Innovation & Technology präsentierte dazu das Forschungsprojekt "D3CoS - Designing Dynamic Distributed Cooperative Human-Machine Systems". Ziel des 2014 erfolgreich beendeten Großprojekts war es, die Entwicklung kooperativer Mensch-Maschine-Systeme voranzutreiben, die eine gesamte Domäne wie Luftfahrt, Schifffahrt oder automobile Fahrzeuge aus Multiagentenperspektive abbilden. Dazu wurden kostenreduzierende Methoden, Techniken und Tools entwickelt, die in industrielle Systementwicklungsprozesse eingebunden werden können.

Unter dem Stichwort "Connected Life" wird außerdem bereits domänenübergreifende Vernetzung visioniert. Jens Binder von GIGATRONIK und Peter Kellendonk von der Kellendonk-Gruppe nennen in ihrem Vortrag zu diesem Thema Komfort, Energieeffizienz und Sicherheit als die treibenden Faktoren für die Verknüpfung ganzer Lebenswelten, bei der auch das Automotive-Umfeld integriert werden und mitgestalten sollte. Diese Verknüpfung treibt die vom Bund geförderte Initiative EEBUS an, indem sie Akteure der Energie-, Telekommunikations- und Elektrowirtschaft vernetzt, um eine zukunftsfähige Infrastruktur für smarte Netzwerke zu schaffen.

Nach wie vor ist die Herausforderung groß, die Interessen der unterschiedlichen Parteien zu vereinen und übergreifende Standards zu schaffen. Umso mehr braucht es einen branchenübergreifenden Dialog, für den die A2A die optimale Plattform bietet, betont auch Dr. Edwin Tscheschlok, Vorsitzender der Geschäftsführung der GIGATRONIK-Gruppe. "Die mobile Vernetzung zieht immer weitere Kreise. Ein interdisziplinärer Austausch, wie wir ihn mit der A2A vorantreiben, ist daher so wichtig wie nie zuvor.", so Dr. Tscheschlok. Udo Würth, Geschäftsleiter von GIGATRONIK Mobile Solutions und Gesamtkoordinator der A2A, zieht ein positives Fazit zur Fachtagung: "Wir freuen uns über die gelungene Veranstaltung, die auch in diesem Jahr ihr Ziel voll erfüllt hat, unterschiedliche Branchen und Akteure zusammenzuführen und die fachlichen Netzwerke zu erweitern." Abseits der Vorträge konnte der Austausch an den Exponaten wie dem GIGATRONIK E-Quad und dem multimodalen HMI-Demonstrator weiter vertieft werden und auch im Rahmen der gemeinsamen Abendveranstaltung Kontakte geknüpft werden.

Kristin Boegner
Unternehmenskommunikation

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